+43-676-330-4803KontaktImpressum en de

Blog

Auf Konferenzdiät

Wie oft habe ich euch in der vergangenen Konferenzsaison erzählt, dass ich irgendwo meinen Vortrag zu “Warum agile Teams nichts mit Business-Agilität zu tun haben” gehalten habe? Ziemlich oft, oder? Genau so fühlt es sich auch gerade an: Die letzten Monate waren sensationell, aber jetzt bin ich recht müde vom rumkonferenzen. Deswegen verordne ich mir in der kommenden Saison eine strenge Konferenzdiät.

Die Resonanz zu “Warum agile Teams nichts mit Business-Agilität zu tun haben” war sensationell. In 100 Prozent der Fälle sind nach dem Vortrag Leute zu mir gekommen, weil sie sich und ihr Unternehmen im Gesagten völlig wiedergefunden haben. Neben Keynotes bei der Lean Kanban North America, beim Scrum Gathering in Kapstadt, bei den Lean London Kanban Days und bei der Agile Central Europe zuletzt in Krakau habe ich viele Impulsvorträge in Unternehmen gehalten, aus denen sehr oft weitere Workshops entstanden sind, um die vorhandenen Problematiken zu bearbeiten. Das alles spielt natürlich mit meinem Modell der Flight Levels zusammen, das international gerade ziemlich abhebt – darüber bin ich erstaunt, ich fühle mich geehrt und ich bin dankbar, dass sich Menschen in Unternehmen auf Basis meines Inputs damit beschäftigen, wie es besser laufen könnte. Viele erkennen, dass ein fertiges Framework sie bei Skalierungsfragen nicht weiterbringt, sondern dass jede Organisation individuelle Lösungen braucht. Durch den Lehrgang zum Enterprise Kanban Coach gibt es inzwischen auch einige fachlich hervorragende Leute, die mit der richtigen Einstellung an die Arbeit herangehen und wissen, wie man das Flight-Level-Modell sinnvoll anwendet.

An diesen Themen werde ich auf jeden Fall dranbleiben und das ist auch der Plan für das kommende Jahr: Die Erfahrungen aufarbeiten und darauf basierend weiterdenken. Für Inhouse-Vorträge genauso wie für Anregungen stehe ich klarerweise zur Verfügung!

Aber einen hab ich noch: Am 20. November 2018 halte ich die Keynote bei der Agile Leadership Nürnberg. Ich freue mich, wenn wir uns dort sehen!


Vielen Dank an Oliver Finker für das super Foto.

Podcast: Flying at Portfolio Level

Zuerst ging es um persönliche Produktivität. Dann haben alle von agilen Teams gesprochen. Und jetzt ist es an der Zeit, von Business Agility zu sprechen.

Mit Dima Moroz von Kanbanize habe ich in einem Podcast darüber gesprochen, wie man eine ganze Organisation dazu bekommt, das Richtige zur richtigen Zeit zu tun. Die Kunst besteht darin, die wirkungsvollsten Hebel zu bedienen und wenn man die ganze Organisation im Blick hat, setzt man den Hebel am besten so hoch wie möglich an. Ob tatsächlich Wert für den Kunden geliefert wird, hängt nämlich in den seltensten Fällen vom einzelnen (agilen) Team ab, sondern vom Zusammenspiel vieler Teams auf eine agile Art und Weise. Business Agility steht und fällt aber damit, ob sich jemand auf Portfolio-Ebene darüber Gedanken gemacht, wie immer gerade so viel Arbeit die Organisation gelangt, dass regelmäßig Projekte abgeschlossen werden können.

 

Umgang mit permanenten Störungen

Eine Frage wird mir regelmäßig bei Kunden-Einsätzen oder in Trainings gestellt: Wie geht man mit permanenten Störungen um? Ich habe auch schon einiges darüber geschrieben wie zB den Blog-Artikel über White Noise und auch im Buch Kanban in der IT beschäftigen wir uns mit dieser Materie. White Noise finde ich in manchen Situationen immer noch als eine gute Idee, ich empfehle jedoch seit Jahren den Ansatz des “Dude of the Week” wesentlich häufiger.

Die Ausgangssituation. Ein Team, das immer wieder Anfragen bekommt, “mal schnell diese Kleinigkeit zu erledigen”. Das verursacht natürlich ein paar Probleme:

  • Man muss eine bereits angefangene Arbeit unterbrechen, was dazu führt, dass sich die Durchlaufzeit dieser Arbeit erhöht.
  • Die Unterbrechung führt auch dazu, dass die Termintreue der unterbrochenen Arbeit leidet.
  • Der Kontext-Switch ist auch nicht gratis. Ist man erst mal aus der Arbeit gedanklich heraußen, braucht es auch wieder eine gewisse Zeit, bis man reinkommt.
  • Mit jeder kleinen Arbeit, die man “mal schnell” macht, startet man eine Express-Aufgabe, da die kurze Arbeite alle anderen überholt.
  • Es wird also eine Umpriorisierung durchgeführt.
  • In den meisten Fällen werden etwaige WIP-Limits auch überschritten.

Alles nicht gut, wenn man wirklich flussbasiert arbeiten will. Es ist jedoch auch nicht wirklich argumentierbar, dass man zB für eine schnelle Firewall-Freischaltung drei Wochen warten muss, da man gerade an einer großen Sache dran ist.

Eine Lösung. Was ich in vielen Organisationen in solchen Fällen etabliert habe, ist “Dude of the Week” (oder irgendeinen anderen schönen Namen). Das sind 1-N Leute (je nach Teamgröße und Spezialisierungsgrad), die zB für eine Woche nur “Kleinscheiss” bearbeiten. Also 100% der kleinen Anfragen werden von diesen Leuten übernommen und sofort bearbeitet. Die anderen Teammitglieder können sich zu 100% ungestört ihren größeren Themen und Vorhaben widmen und werden nicht ständig aus der Arbeit gerissen. Wenn sich eine kleine Anfrage als größer herausstellt, wird ein Ticket erstellt, das den “normalen” Weg über das Board geht. Das ist überlebenswichtig, sonst stellt jeder nur noch vermeintlich kleine Anfragen.

Der Verbesserungsansatz. Ich empfehle auch, dass die Dudes die Anfragen zB auf Postits sammeln. Diese Postits werden in einem Verbesserungs-Meeting analysiert. Es stellt sich vielleicht heraus, dass gewisse Anfragen immer wieder kommen und man kann sich eine systemische Lösung einfallen lassen, wie zum Beispiel Automatisierung oder man ändert die Arbeitsweise, damit die Anfrage in Zukunft nicht mehr so häufig auftritt, ähnlich dem Blocker-Clustering.

TWiG V1.4 veröffentlicht

Es tut sich etwas im TWiG-Land. Ich habe soeben Version 1.4 (Deutsch) veröffentlicht. Herunterladen könnt ihr euch die Version von der TWiG Website.

Neben kleineren “Bug-Fixes” gibt es zwei große Neuerungen: (1) Dank Florian Meyer gibt es einen Facilitator’s Guide, der den Einstieg in die Simulation extrem erleichtert und (2) der Realization Time Scatterplot wurde modifiziert – jetzt haben wir Tage auf der X-Achse.

Ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass es eine gute Idee war, TWiG als Creative Commons zu veröffentlichen. Ich bekam sehr viel konstruktives Feedback und Leute haben bereits begonnen, die Simulation mit ihren eigenen Ideen und Add-Ons anzureichern. Diese Community-Neuerungen werden ab der nächsten Version in einem Community-Folder mit ausgeliefert.

Vielen Dank, liebe Leute! I love Community! 🙂